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Einleitung
 
0.1 Der Mensch und die Schrift

ASCII-Art
 
1.1 Definition
1.2 ASCII
1.3 Bedingungen
1.4 Bildinhalte
1.4.1 FIGlet
1.5 Anwendungsbereiche
1.6 Warum ist ASCII-Art interessant?


 "Die Schrift ist ein toter Buchstabe, den nur die
Einbildungskraft und der Verstand des Lesens beleben
kann." Mit dieser Feststellung hat Christian Garve sicher
Recht. Ohne Lesen macht Schrift – auch im woertlichsten
Verstaendnis – keinen Sinn. Ein Aspekt bleibt in diesem
Zitat allerdings unberuecksichtigt. Denn Schrift kann
neben ihrer hauptsaechlichen Funktion, der Darstellung
von Text, auch zum Erstellen von Bildern genutzt werden.
Solche Bilder finden wir im Bereich der ASCII-Art.
Auch sie verlangt die Einbildungskraft des Betrachters,
auch sie verleiht den toten Buchstaben Leben. Doch in
diesem speziellen Fall ist es ein anderes Lesen, als
das eines Textes. Woher wissen wir, dass wir ASCII-ART
nicht lesen sollen? Was unterscheidet das Lesen eines
Textes vom Betrachten eines Bildes? Und wo kann man
ASCII-Art im Spannungsverhaeltnis zwischen Schrift und
Bild verorten? 
Dies sind die Fragen, denen sich die vorliegende
Arbeit widmet. Im ersten Teil des Textes wird ASCII-Art
zunaechst genauer erklaert. Wie entstand sie, wie
funktioniert sie und wer benutzt sie? Das sind die
Fragen, auf die man in diesem Kapitel Antworten erhaelt.
Im zweiten Teil widmet sich der Text den Bedingun-
gen und der Funktionsweise visueller Wahrnehmung beim
Menschen im Allgemeinen. Es werden die grundlegenden
Prozesse untersucht, die menschlichem Sehen immer, ob
beim Lesen oder beim Betrachten von Bildern, zu
Grunde liegen.
Der dritte Teil spannt daraufhin den Bogen von der
generellen Wahrnehmung zu einem besonderen Wahrneh-
mungsprozess, der Lesekognition. Hier wird auch genauer
auf die kognitiven und semiotischen Prozesse der
Informationsvermittlung und -verarbeitung eingegangen.
Im vierten Teil werden ausgehend von der Symbol-
haftigkeit und Arbitraritaet der Schriftzeichen, die
im dritten Teil im Fokus standen, die Restbestaende
ihrer Bildlichkeit herausgearbeitet und untersucht.
Der fuenfte Teil und gleichsam der Schluss der
Arbeit greift daraufhin nochmals Thesen der vorangegangenen
Kapitel auf, um daran die Besonderheit und
die Faszination von ASCII-Art abschliessend zu erklaeren. << top


0.1 Der Mensch und die Schrift

Menschen schreiben seit Jahrtausenden. Waehrend
dieser Zeit hat sich sowohl die Gestalt der Schrift-
zeichen als auch ihre gesellschaftliche Bedeutung
vielfach gewandelt. Die Entwicklung neuer Schreib-
instrumente, die Erfindung des Buchdrucks und zuletzt
die Erfindung des Computers, waren jeweils Ausloeser
fuer einen erneuten Wandel in der menschlichen Schreib-
kultur. Die Veraenderungen in unserem Alltag, seit der
Erfindung des Internets, sind noch greifbar nahe. Hier
koennten zahllose Beispiele genannt werden, wie die
juengste technische Revolution unseren Alltag veraendert.
Es werden immer weniger Briefe geschrieben, Ueberwei-
sungen kaum noch in Papierform eingereicht und auch
die Akkumulation von Wissen in Universitaetsbibliotheken
bekommt Konkurrenz in Form von Online-Datenbanken.
Die vielfaeltigen und weit reichenden Konsequenzen
der schrifthistorischen, wie der digitalen Entwicklung
sollen hier jedoch lediglich als Randnotiz erscheinen.
Denn das Augenmerk dieser Arbeit liegt auf einem
speziellen, stark eingegrenzten Feld typografischer
Gestaltung: der so genannten ASCII-Art.
ASCII-Art erscheint im Vergleich zu den manigfaltigen
gestalterischen Moeglichkeiten, die Computer und Digi-
talisierung gegenwaertig bieten, als eine rudimentaere
Technik digitalisierter (typo-) grafischer Gestaltung.
Gerade innerhalb dieses engen Rahmens laesst sich
deutlich beobachten, welches gestalterische Potenzial,
allein durch die Kombination einer begrenzten Anzahl
von Gestaltungselementen, entfaltet werden kann. Das
Ergebnis einer solchen, designspezifischen Auseinander-
setzung ist schluessigerweise visueller Natur. Doch
das Fundament, fuer einen gezielten Einsatz von
Gestaltungsmitteln, und damit das Erreichen einer hohen
(typo-) grafischen Qualitaet, liegt neben dem praktischen
Experiment auch in der theoretischen Betrachtung einiger
grundsaetzlicher Funktionsprinzipien der menschlichen
Wahrnehmung, Informationsverarbeitung und Sinnproduktion. << top

 
1 ASCII-Art

1.1 Definition
ASCII-Art ist eine Darstellungsform, bei der aus den
Zeichen des American Standard Code for Information
Interchange (ASCII) ueberwiegend kleine Illustrationen,
aber auch Schriften gestaltet werden, die im Internet
ausgestellt und verbreitet werden. Seinen Ursprung hat
ASCII-Art in den Zeiten geringer Speicherkapazitaet des
beginnenden Computerzeitalters, in denen die Darstellung
von Bildern auf andere Weise noch nicht moeglich war
und ASCII-Art insbesondere ueber Mailboxen verschickt
wurde.

1.2 ASCII

Der American Standard Code for Information Interchange
wurde zur digitalen Darstellung von Schriftzeichen in
englischer Sprache entwickelt und definiert 128 Zeichen,
von denen, neben 33 Steuerbefehlen, 95 druckbar sind.
Die 1968 standardisierte Zeichenkodierung umfasst lediglich
den begrenzten Zeichenschatz je eines lateinischen Minuskel-
und eines Majuskelalphabetes, zehn arabischer Ziffern sowie
einiger Satz- und Steuerzeichen.
ASCII wurde urspruenglich im Fernschreibeverkehr
eingesetzt, bis es sich im Zuge fortschreitender
Computerentwicklung als Standardkodierung zur Bildschirm-
Darstellung von Schriftzeichen durchsetzte. Der, auf Grund
seiner 7-Bit-Kodierung, auf 128 Zeichen beschraenkte
Code wurde spaeter zur Basis verschiedener 8-Bit-Codes,
die dazu dienen, weitere Zeichen anderer Sprachen dar-
zustellen. Mit zunehmender Speicherkapazitaet haben sich
bis heute diverse, umfangreiche Codes entwickelt; die
Kompatibilitaet zum ASCII wurde jedoch ueberwiegend
beibehalten. (Beispielsweise laesst sich der, von
gegenwaertigen Betriebssystemen, meistverwendete 8-Bit-
Code UTF-8 von Unicode auch noch auf einen 7-Bit-Code
umkodieren.) Denn die Ausdifferenzierung der Zeichensaetze,
die eine Darstellung sprachspezifischer Sonderzeichen
ermoeglicht, birgt andererseits die Schwierigkeit, dass
die Zeichenvielfalt unterschiedlicher Sprachraeume im
internationalen Informationsaustausch hinderlich ist.
So werden sprachspezifische Zeichen auf anderssprachigen
Computersystemen fehlerhaft oder gar nicht wiedergegeben.
Vor diesem Hintergrund bildet der ASCII-Zeichensatz
einen Kanon von Zeichen, der als einziger, von allen
anderen, weltweit verwendeten Zeichensaetzen korrekt
interpretiert wird. Diese plattformuebergreifende Flexi-
bilitaet ist beispielsweise fuer Programmiersprachen von
zentraler Bedeutung.
Die Anforderung einer strikten Reduktion, zu Gunsten
maximaler Kompatibilitaet, liegt auch der Idee von ASCII-
Art zu Grunde. Hierbei werden lediglich die folgenden 95
Zeichen (beginnend mit einem Leerzeichen) benutzt, mittels
derer zeilenweise Grafiken aufgebaut werden. << top

!"#$%&'()*+,./0123456789:;<=>?@
ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ[\]^_`
abcdefghijklmnopqrstuvwxyz{|}~


1.3 Bedingungen

Da viele Textbildschirme je Zeile maximal 80 Zeichen
darstellen konnten, wurde diese Zeichenanzahl auch fuer
die Entwicklung von ASCII-Art uebernommen. Der Aufbau der
Grafiken folgt einem Raster, das sich aus der Verwendung
dicktengleicher Systemschriften (z.B. Courier, Monaco)
ergibt. Vergleichbar mit einem Stickmuster, verfuegt
jedes Zeichen ueber identisch viel Platz. Die einheitliche
Breite fuehrt zu einer, fuer das menschliche Auge,
schlechteren Leserlichkeit der Schriften, da ihre Zeichen
unproportional dargestellt werden und ein unausgeglichenes
Schriftbild hervorrufen. Fuer die urspruenglich mechanische,
und spaeter digitale Anwendung ist die Dicktengleichheit
der Buchstaben allerdings als Grundvoraussetzung zur
Entwicklung erster, mechanischer, wie spaeter auch digitaler
Schreibprozesse anzusehen. Erst mit der Weiterentwicklung
elektronischer Medien haben sich proportionale Schriften
–zur Freude der menschlichen Leser– in anwenderorientierten
Bereichen etabliert, waehrend Programmiersprachen auch heute
noch mit dem ASCII-Zeichensatz auskommen.
ASCII-Art steht also nach wie vor in engem Zusammenhang
zu ihrem Medium, dem Computer. Ihre Herstellung ist ueberaus
simpel: ASCII-Art kann mit jedem einfachen Texteditor
hergestellt werden. Mittlerweile gibt es auch Programme,
die den muehsamen Weg des Setzens vereinfachen bzw. gleich
komplette Bildvorlagen in ASCII umwandeln. << top


1.4 Bildinhalte

Die meisten ASCII-Bilder sind gegenstaendlich und bilden
mehr oder weniger triviale Gegenstaende, Situationen und
Handlungen ab. Hierbei werden die Zeichen ueberwiegend
zweckentfremdet und nicht zur Darstellung schriftsprachlicher
Inhalte verwendet. Vielmehr wird mit den Eigenschaften
der Zeichengestalt (wie z.B. ihrer Form oder ihrem Hellig-
keitswert) gearbeitet. Aus den einzelnen Elementen ergibt
sich schliesslich ein Gesamtbild, das vom Prinzip her wie
ein Mosaik funktioniert. Mit dieser Technik werden sogar
Bilder hergestellt, die eine raeumliche Tiefenwirkung
vortaeuschen.
In der Art der Darstellung lassen sich grob zwei Stil-
richtungen unterscheiden: Waehrend die eine versucht,
mittels einer Kontur Gegenstaende abzubilden, ist bei der
anderen ein flaechiger Einsatz der Buchstaben zu beobachten.
Diese beiden Moeglichkeiten werden gern gemeinsam eingesetzt
und lassen sich daher nicht trennen. Auch von einem
absoluten Verzicht auf Text (im Sinne einer Wiedergabe
schriftsprachlicher Information) kann keine Rede sein.
Einige ASCII-Bilder folgen, in ihrem Aufbau und der Wahl
der gestalterischen Mittel, den Regeln des Comics: Panel-
Aufteilung, Sprechblasen oder Kommentare sind in der ASCII-
Art ebenso anzutreffen, wie  die,  fuer den Comic typische,
stark abstrahierte Bilddarstellung.
Als weitere Formen der ASCII-Art sind Musterketten zu
nennen. Die Gestaltungsmoeglichkeiten, die sich aus der
Kombination der 95 ASCII-Zeichen ergeben, sind nahezu
unendlich. Waehrend Musterketten ueberwiegend in Internet-
foren verwendet werden, um Userprofile individuell zu
dekorieren, werden ASCII-Bilder per Mail verschickt, in
Forumsdiskussionen gepostet oder auf privaten Webseiten
ausgestellt. Die Urheber der Bilder verewigen sich in ihren
Bildern, indem sie aus zwei bis drei Buchstaben eine
Signatur bilden, welche sie im Bild hinterlassen. Hierdurch
lassen sich die ASCII-Zeichner innerhalb Szene identifizieren.
Das Entfernen der Autorenhinweise ist verpoent.
Zuletzt sei noch auf die Existenz animierter ASCII-Art
hingewiesen. Hierbei werden, mit den genannten gestalterischen
Mitteln, Einzelbild-Animationen erstellt, die meistens durch
Javascript in Bewegung gebracht und als Filme auf Webseiten
ausgestellt werden. Einen guten Ueberblick ueber an bietet
die Internetseite >> www.ascii-art.de, dessen Betreiber diverse
eigene ASCII-Bilder, und die verschiedener Urheber praesentiert. << top


1.4.1 FIGlet

Neben dem konventionellen Einsatz von Schrift gibt es eine
weitere, typische Technik zur Darstellung von Text:
Hierbei werden aus den vorhandenen Zeichen groessere, ueber
mehrere Zeilen ausgedehnte Buchstaben gebildet. Diese Schriften
aus Schriftzeichen koennen, sofern sie in dem
speziellen Dateiformat .flf aufbereitet wurden, von einem
so genannten FIGlet-Programm interpretiert werden, welches
erst das dynamische Erzeugen von ASCII-Art-Texten ermoeglicht.
Inspiriert durch eine derart gestaltete eMail-Signatur,
schrieben die Programmierer Frank Sheeran, Ian Chai & Glenn
Chappell, Anfang der 1990er Jahre eine kleine Software, die
Ascii-Alphabete erstmals dynamisch nutzbar machte. Bis heute
gehen alle weiteren Anwendungen auf das Ursprungs-FIGlet zurueck.
Das FIGlet-Dateiformat .flf kann in jedem einfachen
Texteditor erstellt werden, benötigt allerdings eine intensive
Auseinandersetzung mit den Anforderungen des Programms.
Neben einer sorgfältigen Aufbereitung der Datei, sind insbesondere
die vielfältigen Kerning-Funktionen zu beachten. Wie man
einen FIGlet-Font erstellt, ist auf >> www.figlet.org
hervorragend dokumentiert.
Folgend der Aufbau des Dateikopfes, wie er in der Dokumentation
beschrieben wird. Er enthaelt alle fuer den Font relevanten
Informationen, wie Dateiformat, Zeilenanzahl je Buchstabe, Position
der Grundlinie, Anzahl der Kommentarzeilen.

flf2a$ 6 5 20 15 3 0 143 229 NOTE: The first five characters in | | | | | | | | | | the entire file must be "flf2a". / / | | | | | | | \ Signature / / | | | | | \ Codetag_Count Hardblank / / | | | \ Full_Layout* Height / | | \ Print_Direction Baseline / \ Comment_Borders Max_Length Old_Layout*
Nach der Kopfzeile (und den Kommentarzeilen) werden alle Schrift-
zeichen in festgelegter Reihenfolge heruntergeschrieben. Jedes
Schriftzeichen muss, die Leerräume inbegriffen, exakt die gleiche
Zeilenanzahl aufweisen, ansonsten kommt es zu einer fehlerhaften
Darstellung. Alle Zeilen werden mit einem @ abgeschlossen, die
letzte Zeile eines FIGlet-Zeichens wird mit @@ markiert.
Da FIGlet bereits Anfang der 1990er Jahre entwickelt wurde,
ist das Originalprogramm auf anwenderorientierten Betriebs-
systemen, wie Windows XP und Mac OS X, nicht mehr lauffaehig.
Allerdings existieren Klone des Ursprungsprogramms, die von
Freunden der kleinen Software fuer Windows-Betriebssysteme
umgeschrieben wurden. Fuer Mac-Anwender steht FIGlet derzeit
lediglich als Plug-In fuer die Java-Entwicklungsumgebung
Eclipse zur Verfuegung. Grundsaetzlich laesst sich sagen:
FIGlet ist eine technische Spielerei, die einen kleinen Kreis
computeraffiner Anwender erfreut. << top


1.5 Anwendungsbereiche

Obwohl die technische Entwicklung laengst zahlreiche
Alternativen zur Anzeige von Bildern und Schriften auf
Monitoren hervorgebracht hat, erfreut sich die ASCII-Art
immer noch grosser Beliebtheit. In Signaturen von E-Mails
und Usenet-Postings ist sie bis heute gebraeuchlich.
Gegenwaertig dient ASCII-Art ueberwiegend zur Dekoration
der eigenen Signatur. Um einem uebermaessigen Platzverbrauch
durch Signaturen innerhalb des Usenets vorzubeugen, hat
sich allerdings eine Begrenzung auf vier Zeilen etabliert.
Daraus ergibt sich die Schwierigkeit, mit nur wenigen Zeichen
aussagekraeftige Bilder zu erzeugen.
Des Weiteren wird ASCII-Art in Usenets genutzt, um
abfaellige Kommentare gegenueber Usern abzugeben, deren
Beitraege lediglich dazu dienen, die allgemeine Diskussion
zu stoeren. Da diese Teilnehmer ueblicherweise TROLL
genannt werden, haben sich ASCII-Bilder entwickelt, auf
denen die Botschaft "Please, don't feed the TROLL!"
mitgeteilt wird. In gleichem Zusammenhang kann auch mit
folgendem Zeichen reagiert werden: <°)))><  Dieser so
genannte rote Hering bringt ebenfalls die Wertlosigkeit
eines Beitrages zum Ausdruck.
Die wohl bekannteste Form von ASCII-Art sind Emoticons,
oder Smileys, welche sich in den letzten Jahren etabliert
haben. Hierbei werden aus wenigen Zeichen (nach links gekippte)
Gesichter dargestellt. Sie dienen dazu, in knapper Form
Emotionen auszudruecken und damit den rein schriftlichen
Kommunikationsprozess um aussersprachliche Inhalte zu
erweitern. So koennen beispielsweise ironische Aeusserungen
markiert, und damit Missverstaendnisse minimiert, werden.
Abschliessend sei noch ein spezielles Phaenomen genannt.
Es handelt sich um Grafiken, die den Leser dazu auffordern,
das Bild in seine Signatur zu uebernehmen, bzw. es an
anderer Stelle (z.B. Gaestebuch) zu posten und so fuer
seine weitere Verbreitung zu sorgen ("This is Bunny. Copy
Bunny into your signature to help him on his way to world
domination.) Diese Art von Bildern existiert mit diversen
Botschaften, die teilweise an Kettenbriefe erinnern. << top


1.6 Warum ist ASCII-Art interessant?

Wie oben ausgefuehrt, handelt es sich bei ASCII-Art um
eine Darstellungsform, die mit einem minimalen Einsatz
von Gestaltungsmitteln auskommt, woraus eine gewisse
Unschaerfe in der Darstellung resultiert. Es draengt sich
die Frage auf, warum in Zeiten hoch entwickelter digitaler
Medien ein Relikt aus den Anfangszeiten bis heute
ueberleben konnte. Der urspruengliche Grund, naemlich die
digitale Darstellung von Bildern im Rahmen stark einge-
schraenkter technischer Moeglichkeiten zu simulieren,
existiert heute nicht mehr. Die Gruende fuer die weitere
Verwendung von ASCII-Art muessen daher an anderer Stelle
gesucht werden.
Auffallend ist die Tatsache, dass der Bedeutungsinhalt
dieser kleinen Bilder, trotz aller Reduktion der Mittel,
ueberaus klar ist. Obwohl wir die uns vertrauten Schrift-
zeichen erkennen, bereitet es keinerlei Schwierigkeiten,
zusaetzlich den aeusserst knapp dargestellten Bildinhalt
zu entschluesseln. Die Abbildung wird also nicht etwa als
unvollstaendig, oder fehlerhaft wahrgenommen, ganz im
Gegenteil: Gerade von der fehlenden Perfektion der
Darstellung scheint eine besondere Faszination auszugehen.
Es mag das Erstaunen darueber sein, dass trotz des
offenkundigen Auslassens von Bildinformationen (zu dem die
Bedingungen der ASCII-Art zwingen), dennoch eine
Bildwahrnehmung moeglich ist.
Diese Ueberlegung fuehrt zu der Frage, wie Menschen
ueberhaupt visuell wahrnehmen und wie es gelingt, selbst
minimale, grafische Hinweise im Gehirn zu einer
sinnvollen Konstruktion zusammenzufuehren. Im folgenden
Kapitel wird daher ein allgemeiner Ueberblick gegeben,
nach welchen Kriterien die Wahrnehmung und Organisation
visueller Eindruecke beim Menschen erfolgt. << top