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Warum ASCII-Art? Fazit
 
Der Grund fuer die Wahl von ASCII-Art als Thema dieser
theoretischen, wie auch meiner gestalterischen Arbeit ist,
dass sie die beschriebenen Zeichenfunktionen, ikonisch
und symbolisch, in sich vereint. Sie bietet die Moeglichkeit,
Schriftzeichen eine Bildlichkeit zu verleihen, die sie
eigentlich, auf Grund ihrer Funktion als Symbol und Zeichentraeger,
zu Gunsten der Leserlichkeit abgeben mussten. ASCII-Art
spiegelt den Drang der Nutzer wider, Bilder, auch in Anwendungen
die es eigentlich nicht zulassen, entstehen zu lassen.
Zu Beginn der vorliegenden Arbeit wurde die Frage nach
der Verortung von ASCII-Art im Spannungsverhaeltnis zwischen
Bild und Text gestellt. Um eine solche Verortung im
woertlichsten Sinne vorstellbar zu machen, schlage ich vor,
Bildlichkeit (ikonisch) und Schriftlichkeit (symbolisch) als
zwei Pole eines Gewichtungsverhaeltnisses zu begreifen:


  Ikonisch <-----------------------------> Symbolisch


Eine mathematisch genaue Verortung ist hier ebenso unangebracht,
wie unmoeglich. Ein ASCII-Art-Werk, bei dem es unerheblich
ist, ob es aus dem Buchstaben a oder b zusammengesetzt wurde,
wuerde ich stark auf der Seite des ikonischen Pols ansiedeln.
Der symbolische Gehalt der Zeichen ist hier unerheblich,
eventuell ist aber ihr Helligkeitswert von Bedeutung.
Die in Kapitel 4.5.1 beschriebenen Beispiele, aus dem Gebiet
der konkreten Poesie, sind hingegen mitten zwischen den
beiden Polen zu verorten. Bei jenen Beispielen ist es nicht
unerheblich, ob das Bild einer Wolke aus den Buchstaben
W, O, L, K und E zusammen gesetzt ist, oder aus anderen. Der
symbolische Gehalt der Schriftzeichen bleibt in der konkreten
Poesie, neben der zusaetzlich ikonischen Darstellung, relevant.
Abschliessend kann ich feststellen, dass ASCII-Art
immer am Pol der ikonischen Zeichenfunktion anzusiedeln ist.
Ihr symbolischer Gehalt spielt trotzdem haeufig eine Rolle.
Es gibt auch ASCII-Art Werke, bei denen die Wahl der Buchstaben
sehr wohl entscheidend fuer die Funktion des Kunstwerkes ist.
In diesen Werken liegt wiederum ein besonderer Reiz, sie
muessen gelesen und betrachtet werden. Soll heissen: man muss
sowohl das Gesamtbild ikonisch entschluesseln, wie auch
ihre einzelnen Symbole decodieren. Das eine funktioniert hier
nicht ohne das andere. Der Sinn, der der ikonischen
Zeichenfunktion entspringt, bedingt die Sinnentschluesselung
des symbolischen Gehalts und umgekehrt.
Die Frage nach der Vorortung von ASCII-Art, im Spannungs-
verhaeltnis zwischen ikonischer und symbolischer Zeichenfunktion,
kann also nur wie folgt beantwortet werden: Die Anteile
der beiden Funktionen sind in jedem Kunstwerk anders gewichtet.
Das Gleichgewicht ist zwar zu Gunsten der Ikonizitaet verschoben,
aber wieviel Symbolizitaet enthalten ist, bleibt offen.
Hieraus, naemlich sich potenziell beider Funktionen bedienen
zu duerfen, ergibt sich das enorme, kreative Potenzial von
ASCII-Art. Schriftzeichen koennen mal als Helligkeitswert oder
ikonische Form, aber auch als Symbol gebraucht werden.
Selbst die gleichzeitige Verwendung beider Funktionsweisen ist
moeglich. Faszinierend ist, dass selbst bei dem strikten
Versuch, die Zeichen rein ikonisch zu verwenden, ihre symbolische
Kraft, naemlich die des (gelernten) Schriftzeichens, immer
erhalten bleibt. Wie bei einem Vexierbild springt der Blick des
Betrachters zwischen beiden Bedeutungsebenen hin und her.
Das, in Kapitel 4.4 angesprochene, Konkurrenzverhaeltnis
zwischen Wort und Bild wird dem Betrachter durch ASCII-Art also
permanent vor Augen gefuehrt.
Bei "reinen" Texten und "reinen" Bildern bleibt dieses
Spannungsgefuege meist verborgen. Denn unser routiniertes Sehen
laesst uns entweder den ikonischen Gehalt, beim Lesen eines
Textes, oder den symbolischen Gehalt, beim Betrachten eines
Bildes von vornherein vernachlaessigen, ja uebersehen.
Die Offenheit in der Interpretation, und das Spiel mit den
Lese- und Sehgewohnheiten sind daher die entscheidenden
Faktoren, die das anhaltende Vergnuegen an ASCII-Art ausmachen.
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